Warum der Attenborosaurus? lautete bei einem Interview vor einigen Jahren die weitere Frage an Sir David Attenborough nach seinem Lieblingstier unter den zahlreichen nach ihm benannten Tierarten. Er habe dieses ausgestorbene Tier genannt, erklärte er, weil er die Gefühle der vielen lebenden nicht verletzen wolle. Wie einfühlsam!

Seine Liebe zur Natur, vor allem zu den Tieren, hat der vielfach ausgezeichnete Naturforscher schon in seiner Kindheit entwickelt. Es sei ein magischer Moment für ihn gewesen, als er in seiner englischen Heimat eine 200 Millionen Jahre alte Muschel entdeckte. Nach dem Studium der Geologie und Zoologie diente er zunächst bei der Royal Navy und arbeitete in einem Verlag als Lektor für Kindersachbücher. 1953 begann seine Karriere bei BBC als TV-Moderator in Kindersendungen über Tiere, einige Jahre war er auch Programmdirektor. Seit den frühen 1970ern konzentrierte er sich auf die Gestaltung von Sendungen und Serien und produzierte selbst zahlreiche Naturfilme.

In einfacher Sprache gelingt es Attenborough, seinem Publikum auch komplexe Zusammenhänge verständlich darzulegen und seine Wertschätzung alles Lebendigen durchklingen zu lassen. Seine besondere Gabe des Erzählens hat ihm viele Preise eingebracht und er verwendet sie auch als Hundertjähriger – er feierte am 8. Mai diesen dreistelligen Geburtstag – noch in seinem Engagement für Umweltschutz, Klimaschutz und den Erhalt der Biodiversiät. Auch in seinen zahlreichen Publikationen kommt seine persönliche Sorge um und für einen lebendigen Planeten zum Ausdruck.

Persönliche Sorge oder vielmehr umfassende Fürsorge, sie nennt es „Care“, ist auch ein zentraler Motor für die junge Österreicherin Clara Heinrich, die jetzt wieder in Gols im Burgenland lebt und arbeitet. Einige Jahre war die gelernte Politikwissenschaftlerin als Journalistin in Berlin tätig. Als ihr Freund an ME/CFS, dem Chronischen Fatigue-Syndrom, erkrankte, zogen sie gemeinsam zurück in Claras Heimatdorf. Ihre Liebe zum Gärtnern und zur Natur hat sie von ihren Großeltern und Eltern vermittelt bekommen, die biodynamisch wirtschaften in der Sorge um eine gesunde Natur und Nahrung.

Wie aber und wo wird Sorge – Care – praktiziert? Im Garten, in der Landschaft, in Bezug auf den Klimawandel, im privaten Leben und in Bezug auf den menschlichen Körper? Die Sorge, das Sorgen für und um jemanden oder etwas ist für die Autorin und Gärtnerin Clara Heinrich ein wesentlicher Ankerpunkt all ihrer Überlegungen. Aus diesem Blickwinkel schaut sie die Dinge an und erforscht sie. In ihrem Gemüsegarten pflegt sie die pflanzliche Vielfalt, als Pflegende, die sich um ihren schwer erkrankten Freund kümmert, bringt sie die Vielfalt aus ihrem Gemüsegarten auf den Mittagstisch. Mit ihrem gefeierten literarischen Debüt „Pusztagold“, erschienen 2025, leistet Heinrich auch wichtige Aufklärungsarbeit betreffend die noch wenig erforschte und vielfach stigmatisierte Erkrankung ME/CFS.

In Sir David Attenborough und Clara Heinrich begegnen wir zwei Menschen, an denen wir exemplarisch erkennen können, was der vor 50 Jahren verstorbene deutsche Philosoph Martin Heidegger (+ 26.5.1976) über das Menschsein dachte. Je authentischer ein menschliches Leben gelebt werde, umso mehr erfahre sich eine Person in dem, was sie über sich selbst hinausdränge. Bei seiner Geburt in die Welt geworfen, müsse sich der Mensch selbst entwerfen, um seiner endlichen Existenz Sinn zu geben. Der Mensch werde erst zu dem, was er ist, indem er sich auf seine zukünftigen Möglichkeiten hin entwirft.

Im Gegensatz zu Sir David Attenborough, der in einfacher Sprache die Welt der Natur erklären kann, ist Martin Heidegger für seine sehr schwer verständliche Ausdrucksweise bekannt, bzw. für viele unbekannt, von anderen auch kritisiert wegen seiner Verbindung zum Nationalsozialismus.

Und doch können viele seiner Gedanken uns auch heute helfen, durch die multiplen Krisen zu navigieren. Beispielsweise seine Kritik an der technischen Moderne mit ihrer zerstörerischen Auswirkung auf menschliche Kultur und natürliche Umwelt. Oder über die menschliche Arbeit, die in Zeiten von algorithmisch betriebenen Systemen bedroht ist. Heidegger versteht Arbeit als etwas, wodurch wir unser Sein in der Welt ausdrücken. Indirekt hat Martin Heidegger sogar auf die von Papst Leo XIV. diesen Mai veröffentliche Enzyklika „Magnifica humanitas“ eingewirkt durch seine Studentin und bedeutende Philosophin Hannah Arendt, die jene Menschen als ideale Untertanen des Totalitarismus ansieht, die nicht mehr zwischen wahr und falsch unterscheiden können. Diese Gefahr ist groß in unserer Zeit.

Stellen wir uns abschließend zwei von der Philosophie Martin Heideggers beeinflusste Fragen: Sind wir Menschen uns bewusst über die Auswirkungen der gegenwärtig stattfindenden Auseinandersetzung zwischen der traditionellen Wirklichkeit, die von Menschen gestaltet ist, und der neuen digitalen Wirklichkeit, die weitgehend von Algorithmen und (selbstständigen) digitalen Systemen gestaltet wird? Und können wir als Menschen ausreichend gut die möglichen Konsequenzen für unser menschliches Dasein in einer digital dominierten Welt verstehen?

Es empfiehlt sich, die Enzyklika „Magnifica humanitas“ zu lesen!

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For the English version kindly come back within the next few days . Thank you!