Der Sommermonat August dieses Jahres konfrontiert praktisch alle Menschen in Österreich und viele in ganz Europa mit existentiellen Fragen wie selten zuvor: Hitze- und Dürrerekorde und extrem niedrige (Grund-)Wasserstände; Seen und Fließgewässer trocknen aus, viele Gletscher schmelzen unwiederbringlich dahin.

Gleichzeitig werden wertvolle Böden mit Rechenzentren versiegelt, die wertvolles und abnehmend vorhandenes Wasser verschlingen. Keine Frage, dass die, von einigen IT-Expertinnen als Stochastische Papageien bezeichnete, digitale und von Algorithmen gesteuerte Technologie (vulgo „KI“) vielen guten Zwecken dienen kann, z.B. in der medizinischen Diagnostik und Behandlung.

Aber die inzwischen weltweit knapp eine Milliarde Menschen, die mit den KI-Anwendungen der verschiedenen Tech-Giganten hantieren, tun das ja nicht ausschließlich im Dienst des Gesundheitswesens. Im Konkurrenzkampf der Globalen Wirtschaft erscheinen viele irgendwie getrieben von der Hoffnung oder Erwartung, dass diese Technologie die Welt retten wird – aber wovor eigentlich? Sicher nicht vor den existentiellen Herausforderungen!

Bultmann

Vor fünfzig Jahren – am 30. Juli 1976 – starb der evangelische Theologe Rudolf Bultmann, im selben Jahr wie der Philosoph Martin Heidegger. Viele Jahre waren beide an der Universität Marburg tätig. Im Austausch mit Heideggers Philosophie der Existenzdeutung entwickelte Bultmann die Existentiale Interpretation der Bibel. Das Wort Gottes ist ein Glaubensanspruch an die Existenz des Menschen im jeweiligen Hier und Jetzt. Zum Beispiel im 14. Kapitel des Matthäusevangeliums (14,22-33), das am 9. August in den katholischen Gottesdiensten verkündet wurde.

Mit dieser Erzählung von „Sturm-Stille-Staunen“ will der Evangelist seinen Hörern und Leserinnen vermitteln, dass Christus mitten in den Herausforderungen und Schwierigkeiten des Lebens anzutreffen ist. Wenn es die Gläubigen wagen, in den Nöten und Leiden der Welt Christus zu begegnen und diese Lebenserfahrungen in ihren christlichen Gemeinden feiernd ritualisieren, also den wahren Gott anbeten, dann erfahren sie einen „Frieden, den die Welt nicht geben kann“ (Johannes 14,27). Deutlich ist: Christus rettet nicht vor einer Katastrophe, sondern in der Not, wenn Menschen an seine Gegenwart darin glauben.

Rudolf Bultmann hat auch viel darüber nachgedacht, wie das Wirken Gottes in der modernen Welt interpretiert werden kann. Er versteht das Wirken Gottes, des Schöpfers, vor allem im Wandel des jeweiligen menschlichen existentiellen Selbstverständnisses. Gläubige Menschen lernen, sich von Gott her zu verstehen, als geliebte Geschöpfe in einer grundsätzlich guten Schöpfung. Gott interveniert nicht zwischen den Ereignissen in der Welt, sondern in ihnen, ohne ihre Eigendynamik außer Kraft zu setzen. Für den Glauben ist die Wirklichkeit als Schöpfung eine Beziehungswirklichkeit zwischen Schöpfer und Schöpfung bzw. Geschöpf. Daher gibt es auch kein objektiv naturwissenschaftlich fassbares Wirken (Handeln) Gottes in der Welt.

Konkret: Die von menschlich induziertem Klimawandel verursachten Dürren, Wassermangel und Ernteausfälle werden auch keine kürzlich von einem österreichischen Bischof vorgeschlagenen Wettersegen verhindern oder rückgängig machen. Da müssen schon wir Menschen unsere Lebensweisen an den Naturgesetzen ausrichten und innerhalb der planetaren Grenzen entfalten. Schöpfungsspiritualität kann die notwendige Schöpfungsverantwortung ermöglichen.

Mitte August feiert die Kirche das „Fest der Aufnahme Marias in den Himmel“ mit der wunderbaren existentiellen Botschaft für jeden Menschen: Es gibt ein Leben, das stärker ist als der Tod. Wer glauben kann, mitten im Tod getragen und gehalten zu sein, interpretiert das biblische Wunder der Auferstehung existentiell für sein/ihr Leben. Ein so existentiell gelebter Glaube lässt den „Duft der Ewigkeit“ erleben.

In vielen katholischen Kirchen in Europa gibt es den Brauch der Kräutersegnung am Fest Mariä Himmelfahrt. Vor allem Bäuerinnen haben seit jeher Kräuterbuschen gebunden, am „Großen Frauentag“ (15.8.) in der Kirche segnen lassen und zum Segen für Mensch und Tier in ihren Bauernhöfen aufgehängt.

Bäuerin

Das Internationale Jahr der Bäuerin 2026 soll das Wirken der Bäuerinnen in den Fokus rücken und die Schwierigkeiten, die sie zu bewältigen haben. Die Landwirtin auf dem 1.100 m hoch gelegenen Leierhof in Abtenau (Salzburg), die sich auch als „Kräuterhexe“ bezeichnet, widmet sich vor allem den Wildkräutern und der heilsamen Verwertung ihrer Wirkstoffe. Die Wildpfllanzen verdanken ihre Wirkstoffe vornehmlich den schwierigen Lebensumständen wie z.B. den kargen Böden, Fressfeinden, Wind und Wetter, denen sie ausgesetzt sind. Duftende Wirkstoffe, auch zum Heilen menschlicher Leiden, als Geschenk der Wildpflanzen – Weisheit der Schöpfung!

Ebenfalls der „duftigen“ Landwirtschaft verschrieben, und das im Rhythmus der Jahreszeiten, hat sich die Bio-Blumen-Bäuerin Brigitte Dörner in Eugendorf (Salzburg).

Das Internationale Jahr der Bäuerin 2026 würdigt auch die schönen Momente, die Bäuerinnen in ihrem Leben erfahren. Im Sinne der biblisch-existentiellen Interpretation von Matthäus 16, 19 über „die Schlüssel des Himmelreichs“ (Evangelium vom 21. Sonntag im Jahreskreis, 23. August d. J.) dürfen wir uns fragen, ob nicht Bäuerinnen wie die oben erwähnten, schon ihren Schlüssel zum Himmelreich, also zur Erfahrung des Ewigen im Hier und Jetzt gefunden haben.

Bär

Die Begegnung fand im August statt, vor elf Jahren, und sie war extrem und existentiell. Danach war nichts mehr wie vorher. Ihr Leben war verändert. Eine junge französische Anthropologin begegnete auf der Halbinsel Kamtschatka im Fernen Osten der Russischen Föderation plötzlich einem Bären. Es gab kein Ausweichen. Der Bär biss zu, gewaltig. Mit einem Eispickel konnte Nastassja Martin auf den Bären hacken und sich so befreien. Beide überlebten diese Begegnung.

In ihrem Buch An das Wilde glauben reflektiert die Autorin über diese Begegnung, über ihre Heilung, das Weltbild der Ewenen, jener indigenen Volksgruppe, bei denen sie über die Bedeutung des Traums geforscht hat, und dass wir westliche Menschen unsere Beziehung zur mehr-als-menschlichen Natur überdenken müssen.

Der 9. August ist der Welttag der Indigenen Völker. In den Weltbildern fast aller dieser Völker existieren menschliche und mehr-als-menschliche Geschöpfe auf Augenhöhe. In allen existiert ein Element des Wilden, d.h. einer Kreativität, die sowohl beängstigend als auch nährend sein kann. Das dynamische Spiel dieser beiden komplementären Kräfte schafft die vielfältige Lebendigkeit in Natur, Kultur und Spiritualität. Die einseitige Sichtweise westlichen Denkens und Handelns zeigt ihre zerstörerischen Folgen spätestens im Hier und Jetzt der großflächigen Dürre und Wassernot.

Die Autorin von An das Wilde glauben findet eine umfassende Heilung durch ihre Träume und in der Wildnis, in der sie dem Großen Geheimnis im Horizont des Ewigen weiterhin begegnet. Welche Ähnlichkeiten mit der Erzählung über die Begegnung von Petrus und Christus auf dem Wasser bei Wind und Wellen!

Leidenschaftlich plädiert sie dafür, dass wir „der Entfremdung entkommen, die unsere Zivilisation erzeugt.“ Passives genütliches Genießen ist dem Gehirn ganz und gar nicht dienlich, weil es darauf angelegt ist, aus der aktiven Begegnung, auch der Auseinandersetzung mit dem Großen Geheimnis (= Gott) Lebenssinn und -erfüllung zu erfahren. Die Ergebnisse ihrer Forschung, dass das menschliche Gehirn auf Spiritualität hin angelegt ist, legt Lisa Miller in ihrem Buch Das Erwachte Gehirn dar. Eine aktiv gelebte Spiritualität des Vertrauens auf das Große Geheimnis kann vor Depression, Langeweile und Sucht schützen.

Nicht nur das: Eine aktiv gelebte Spiritualität fördert ein Leben In wachsenden Ringen wie es Br. David Steindl-Rast mit seinen hundert Jahren weiterhin Freude und Friede ausstrahlend vorlebt.

o+o+o+o+o+o

Bear – Woman Farmer – Bultmann

Please come back soon for the English version, thank you!